So wird Ihre erste lange Reise mit einem Elektroauto zum Kinderspiel
Eine Urlaubsfahrt mit dem Elektroauto erfordert zwar keine akribische Planung mehr, doch die erste lange Reise fühlt sich immer noch anders an als der Alltagsbetrieb. Die beste Vorbereitung ist ganz praktisch: Man sollte wissen, wo man aufladen kann, wie viel Strom das Auto bei voller Beladung tatsächlich verbraucht und was passiert, wenn der ursprüngliche Plan scheitert.
Sie verlässt Zürich am Morgen mit Norditalien als Ziel in das Navigationsgerät eingegeben und einer fast voll aufgeladenen Batterie. Die Strecke selbst ist ihr gut bekannt. Was ihr weniger vertraut erscheint, ist das Aufladen.
Zu Hause ist das mit dem Auto ganz einfach. Es lädt über Nacht auf, der übliche Arbeitsweg belastet den Akku kaum, und man muss sich keine Gedanken über Netzwerke, Roaming-Gebühren oder die Frage machen, ob eine Ladestation gerade belegt ist. Auf einer Urlaubsreise werden diese Details, die sonst im Hintergrund bleiben, zu einem Teil des Erlebnisses.
Moderne Elektrofahrzeuge übernehmen bereits einen Großteil der Arbeit. Ihre Navigationssysteme berechnen die Ladehaltestellen anhand des Batteriestands, der Verkehrslage, der Außentemperatur und des voraussichtlichen Verbrauchs. Einige bereiten die Batterie vor einem Schnellladevorgang auch vor, damit sie das Ladegerät in einem Zustand erreicht, in dem sie schnell Strom aufnehmen kann.
Der Fahrer braucht immer noch etwas Spielraum. Eine Route mit nur einer einzigen wichtigen Ladestation und ohne Alternative erzeugt unnötigen Druck. Ein großer Ladeknotenpunkt mit mehreren Anschlüssen bietet eine Ausweichmöglichkeit, falls eine Ladestation belegt oder außer Betrieb ist.
Es ist auch sinnvoll, 10 bis 20 Prozent in Reserve zu halten. So bleibt Spielraum für eine Umleitung, Stau oder eine Ladestation, die bei der Ankunft nicht verfügbar ist.
Plane die Reise nicht zu 100 Prozent
Für viele neue Elektroautofahrer ist es eine erste Überraschung, dass eine voll aufgeladene Batterie nicht immer die schnellste Art des Reisens ist. Schnellladen funktioniert in der Regel am besten, wenn der Ladezustand der Batterie relativ niedrig ist. Je weiter sich die Batterie füllt, desto langsamer wird der Ladevorgang. Die letzten 20 Prozent können daher deutlich länger dauern als der erste Teil des Ladevorgangs.
Auf einer langen Fahrt kommt man oft schneller wieder auf die Straße, wenn man mit einem niedrigeren Ladezustand an einer Schnellladestation ankommt und diese mit etwa 80 Prozent wieder verlässt, als wenn man darauf wartet, dass die Batterie vollständig aufgeladen wird. Das verleiht dem Tag zudem einen natürlicheren Rhythmus. Nach zwei oder drei Stunden Fahrt reicht ein zwanzig- oder dreißigminütiger Stopp für einen Kaffee, einen Toilettengang oder das Mittagessen. Das Auto lädt sich auf, während Sie bereits Ihre Pause einlegen.
Der Standort spielt eine wichtige Rolle, besonders wenn man alleine unterwegs ist. Eine belebte Raststätte an der Autobahn, ein Hotel oder ein Supermarktparkplatz sind am späten Abend bessere Zwischenstopps als eine abgelegene Ladestation hinter einem Geschäftsgebäude. Sind zwei Personen im Auto, kann eine nach Alternativen suchen, während die andere weiterfährt. Wenn man alleine unterwegs ist, ist es hilfreich, sich vor der Abfahrt einen zweiten Ladestandort zu merken.
Den langweiligen Teil zu Hause vorbereiten
Die Bezahlung sorgt für mehr Frust als das Laden selbst. Es gibt keinen einheitlichen europäischen Tarif für öffentliche Ladestationen. Die Preise variieren je nach Betreiber, App, Ladekarte und Vertrag, und spontanes Laden an Autobahnstandorten kann teurer sein.
Prüfen Sie vor der Reise, ob Ihre übliche Ladekarte in den Ländern funktioniert, durch die Sie reisen. Installieren Sie eine Ersatz-App, hinterlegen Sie Ihre Zahlungsdaten und melden Sie sich vor der Abreise an.
Die direkte Zahlung per Bankkarte wird zwar immer beliebter, ist aber noch nicht an jeder Ladestation verfügbar. Zehn Minuten, die man zu Hause mit der Einrichtung der Konten verbringt, können einem weitaus unangenehmere zehn Minuten an einer Ladestation mit schlechtem Mobilfunkempfang ersparen.
Das Hotel kann die Hälfte der Planung streichen
Ein zuverlässiges Ladegerät am Zielort verändert die gesamte Reise. Wenn das Auto über Nacht aufgeladen werden kann, beginnt der nächste Morgen mit einer ausreichenden Reichweite für Fahrten in der Umgebung und Besichtigungen. Man muss weder vor dem Frühstück nach einer öffentlichen Ladestation suchen noch das Aufladen zwischen dem Abendessen und dem Nachtessen unterbringen.
Die Formulierungen auf einer Hotel-Website sollten genau unter die Lupe genommen werden. “EV-Lademöglichkeit vorhanden” kann eine ordnungsgemäße Wallbox bedeuten, eine gemeinsam genutzte Ladestation mit eingeschränktem Zugang oder kaum mehr als eine normale Haushaltssteckdose.
Fragen Sie nach, wie viele Ladestationen es gibt und ob man eine reservieren kann. Erkundigen Sie sich auch nach den Kosten. Manche Hotels berechnen den Preis pro Kilowattstunde, andere erheben eine Pauschalgebühr und wieder andere haben die Ladekosten bereits im Übernachtungspreis enthalten.
Für Alleinreisende ist das besonders praktisch. Man kommt an, parkt, schließt das Auto an und geht hinein. Nach einem langen Tag auf der Straße muss man nicht noch einmal quer durch die Stadt fahren.
Ihr Urlaubsauto verbraucht mehr Strom als Ihr Alltagsauto
Die Reichweitenangaben sehen anders aus, sobald der Kofferraum voll ist. Lange Autobahnabschnitte, eine Dachbox, Fahrräder auf dem Gepäckträger, Gegenwind und Bergstraßen erhöhen den Verbrauch. Ein voll beladenes Urlaubsauto erreicht selten die Reichweite, die man bei normalen Fahrten in der Umgebung erzielt.
Eine Dachbox hat größere Auswirkungen, als viele Autofahrer erwarten, da sie die Aerodynamik des Fahrzeugs verändert. Wenn das Gepäck in den Innenraum und den Kofferraum passt, sollten Sie es dort verstauen.
Auch die Geschwindigkeit hat einen ebenso deutlichen Einfluss. Wenn man mit 110 oder 120 km/h fährt, anstatt konstant 130 km/h zu halten, lässt sich der Verbrauch so weit senken, dass der nächste Ladestopp verkürzt oder ganz entfallen kann.
Die Zeit, die durch etwas langsameres Fahren verloren geht, kann geringer sein als die Zeit, die benötigt wird, um den zusätzlichen Strom an der nächsten Ladestation wieder aufzuladen. Heißes Wetter erfordert eine weitere kleine Anpassung: Kühlen Sie den Innenraum, solange das Auto noch an eine Ladestation angeschlossen ist, und stellen Sie das Auto am Zielort nach Möglichkeit im Schatten oder in einer Tiefgarage ab.
Was ist, wenn das Ladegerät nicht funktioniert?
Das kommt vor. Eine Ladestation kann besetzt, außer Betrieb oder langsamer als erwartet sein. Keines dieser Probleme ist gravierend, solange der Akku noch über eine Reserve verfügt und eine weitere Ladestation in Reichweite ist.
Große Ladestationen verringern das Risiko, da an einem Ort mehrere Ladegeräte zur Verfügung stehen. Fällt eines aus, wechselt man einfach zu einem anderen. Wenn man die Batterie aus Effizienzgründen bis auf die letzten paar Prozent entlädt, verspielt man diesen Spielraum und erhöht die Belastung, ohne dass dies einen nennenswerten Vorteil bringt.
Die praktische Lösung ist einfach: Man sollte genügend Ladung für die Weiterfahrt haben, wissen, wo sich die nächste Ladestation befindet, und weiterfahren, falls es an der ersten Station zu Problemen kommt.
Für Ferienhäuser und Campingplätze ist eine mobile Ladestation eine Überlegung wert
In Hotels mit einer ordnungsgemäßen Lademöglichkeit ist zusätzliche Ausrüstung überflüssig. Bei Ferienhäusern, Campingplätzen und Unterkünften auf dem Land ist die Situation weniger vorhersehbar.
Eine mobile Ladestation mit den passenden Adaptern kann das Auto über geeignete Camping- oder Industriesteckdosen aufladen, sofern die elektrische Installation dies zulässt. Je nach Anschluss kann die Ladeleistung zwischen etwa 3,7 kW und 22 kW liegen.
Der in der Schweiz hergestellte „Juice Booster“ ist eines der bekannteren Systeme, die speziell für den Einsatz an verschiedenen Steckdosenarten und in verschiedenen Ländern entwickelt wurden. NRGkick verfolgt ein ähnliches Konzept.
Bei einer normalen Haushaltssteckdose ist besondere Vorsicht geboten. Ältere Leitungen, lockere Kontakte und Stromkreise, die nicht für dauerhaft hohe Belastungen ausgelegt sind, können überhitzen. Fragen Sie den Eigentümer, bevor Sie eine solche Steckdose nutzen, und vermeiden Sie improvisierte Verlängerungskabel, Mehrfachstecker oder selbstgebaute Adapter.
Bei Fährfahrten ist eine zusätzliche Überprüfung erforderlich
Für Elektroautos gelten auf Fähren gelegentlich zusätzliche Vorschriften. Einige Betreiber legen einen zulässigen Ladezustand der Batterie beim Einsteigen fest. Die Bestimmungen variieren je nach Fährgesellschaft und Strecke; informieren Sie sich daher bitte vor dem Reisetag darüber.
Ein Fahrer, der das Fahrzeug vor der Fahrt zum Terminal auf 100 Prozent auflädt, kann andernfalls ein Problem verursachen, das nichts mit dem Auto selbst zu tun hat.
Das Gleiche gilt für feste Ankunftszeiten. Fähren, die Schlüsselübergabe in Ferienwohnungen und Restaurantreservierungen lassen sich leichter bewältigen, wenn der Zeitplan einen Puffer vorsieht. Urlaubsverkehr, ein stark frequentierter Ladepunkt oder eine geringere Ladeleistung als erwartet können eine Reise verlängern, die auf dem Navigationsbildschirm zunächst unkompliziert aussah.
Nach der ersten langen Fahrt betrachten die meisten Autofahrer das Aufladen nicht mehr als eigenständigen Vorgang. Es wird ebenso zum festen Bestandteil der Reise wie Kaffee, Mittagessen oder eine Raststätte.
Die wichtigen Vorbereitungen erfolgen bereits vor der Abfahrt: Lademöglichkeiten am Zielort bestätigen, die Bezahlung einrichten, sich mit dem Fahrverhalten des Autos bei voller Beladung vertraut machen und eine alternative Lademöglichkeit in Reserve halten. Der Rest fühlt sich zunehmend wie jeder andere Roadtrip an.
Vor Ihrer ersten langen Fahrt mit einem Elektroauto
Zu Hause: Richten Sie Ihre Haupt-App zum Aufladen sowie eine Ersatz-App ein, prüfen Sie die Roaming-Möglichkeiten in den Ländern, die Sie besuchen, und klären Sie genau, welche Lademöglichkeiten Ihr Hotel oder Ihre Villa bietet.
Unterwegs: Halten Sie etwa 10 bis 20 Prozent als Reserve zurück und nutzen Sie vorzugsweise größere Ladestationen. Schnellladen ist in der Regel am sinnvollsten, wenn der Ladezustand der Batterie bei einem niedrigen Stand bis auf etwa 80 Prozent liegt.
Mit Gepäck: Rechnen Sie mit einem höheren Verbrauch, wenn Sie eine Dachbox, Fahrräder, starken Gegenwind oder lange Autobahnabschnitte haben. Eine leichte Verringerung der Geschwindigkeit kann die nächste Ladepause verkürzen.
Reisen allein: Speichern Sie vor der Abfahrt eine alternative Ladestation und wählen Sie für Zwischenstopps in den späten Abendstunden belebte, gut beleuchtete Orte aus.
Am Zielort: Fragen Sie nach, ob das Ladegerät reserviert werden kann, was es kostet und ob Sie ein eigenes Kabel benötigen.
Mit der Fähre fahren: Informieren Sie sich vor dem letzten Ladestopp über die Akkuregeln des Betreibers.

